Anfahrt mit dem Auto

Wenn man sich der Mittelmeerinsel auf dem Landweg nähert, um sich in Barcelona einzuschiffen, wird man links von der Rhone auf der alten Nationalstrasse 86 in Richtung Süden die langsame Veränderung der mittelfranzösischen Landschaft beobachten. Wenn dann rechts die Berge des Ardeche auftauchen, ist der Süden ganz nah; leichte Winde der Levante wehen vom Rhonetal hoch; das Dunkelrot der Dachpfannen weicht einem helleren, fast orientalisch changierenden Terracotta-Ton, das Licht wird klarer, die Luft durchsichtiger, der Süden, die ganze Levante, scheint zum Greifen nah, wenn die südlichen Ausläufer der Berge des Ardeche bei Sonnenuntergang eine bläuliche Färbung annehmen und den Reisenden in ihren Bann ziehen.
Fast auf gleicher Höhe liegt östlich Montelimar, berühmt für das weiße Nougat, eine ihrem Ursprung nach arabische Süßigkeit, die aus Mandeln, Eiern und Zucker hergestellt wird und in Katalonien wie auf Mallorca um die Weihnachtszeit als turron  angeboten wird. Ein erster kulinarischer Bote der Mittelmeerinsel, deren Machtausdehnung im 13. Jahrhundert als Königreich Mallorca über Montpellier hinaus reichte. Montpellier war kultureller Mittelpunkt des Königreichs Mallorca, während das weiter im Süden gelegene Perpignan das politische Zentrum bildete. Hauptstadt jedoch war immer Ciutat de Mallorca, das heutige Palma de Mallorca.
In den französischen Provinzen Languedoc, dem alten Foix, vor allem aber in Roussillon, dem Herzen des spanischen Katalonien, also auch Mallorcas, haben die französischen Omelettes Tortillacharakter, der Schinken wird wie jamon zubereitet, geschnitten und gegessen. Auch der Umgang mit Tomaten, Paprika, Auberginen, Knoblauch und Hülsenfrüchten und ihre Zubereitung ist sehr ähnlich. Schweinefleisch (ein traditionell mallorquinisches Exportprodukt), Hammel und die ihrem Ursprung nach römische Zubereitungsart des Cassoulet in all seinen Varianten – eine davon ist das mallorquinische bollit – prägen die Küche dieser südfranzösischen Provinzen, die kulinarisch sicher mehr zu Katalonien gehören als zu Frankreich.
Hier, an den sonnenverwöhnten Weinhängen des Roussillon, findet man bereits die Rebsorten Mourvedre und Malvoisie, die den Gaumen mit ihrem fruchtigen Aroma und einem Hauch von Lorbeer und Thymian einnehmen. Diese Trauben und den typischen Geschmack ihrer Weine wird der Reisende auf Mallorca wiederentdecken.
Hinter den Bergen der Pyrenäen, wo deren grüne Ausläufer auf die schroffen Felsen der Costa Brava stoßen, beginnt Katalonien. Wogende Weizen- und Getreidefelder, weitläufige Obstpflanzungen zum Landesinneren hin, Weinberge und Olivenhaine in Küstennähe. Altes Kulturland: Hier siedelten Griechen, Karthager, Römer, Westgoten, Mauren, Franken. Auf der Insel Mallorca kehren – wie auf einem Miniaturkontinent – alle Felsformen und Farben, alle typischen Landschaftselemente des französischen und spanischen Katalonien wieder, als hätte Mallorca in irgendeinem dieser kleinen Fischerdörfer vor Hunderten oder Tausenden von Jahren wie eine riesige Arche die Leinen gekappt und sich 200 Kilometer hinaus aufs Meer treiben lassen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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